|
Helfa weg, Risikö!K.O. Spray, neurotische Hunde und zahnlose Tauchlehrer |
||
| Obwohl mir bewusst war, dass ich mit meinem Besuch in Sagres die beiden einzigen Städte in erreichbarer Nähe dann schon bereits nach einer Woche abgehakt haben würde, fuhr ich am späten Sonntag Nachmittag 45km Richtung Ende der Welt. Nachdem ich mich davon überzeugen konnte das Sagres eher einer dieser Orte ist (zumindest im Oktober), aus denen man schon wieder draussen ist, bevor man einen Einheimischen zu Gesicht bekommen hatte, fuhr ich erstmal sum Strand (mit Mutti und die Kleinen). Auf dem Weg dorthin kamen mir einige gut gelaunte Surfer entgegen, was ein Zeichen für günstige Wellenbedingungensein musste. Doch die Zeit lief gegen mich. Den spektakulären Sonnenuntergang, den ich mangels gefülltem Akku leider nicht fotografieren konnte, nutzen die meisten anderen Surfer, um sich nach einem langen Surftag gemütlich auf den Heimweg zu machen. Da ich aber bisher mit meinem Arsch nur vor dem Rechner gehangen und im Auto gesessen hatte, dachte ich mir, dass da wohl für n halbes Stündchen noch was gehen müsste. Beim Neoanziehen wurde ich beschmunzelt. Wohl weniger wegen dem nackten Hintern als wegen der Verfügbarkeit an Licht zu diesem Zeitpunkt. “Geht der etwa noch rein?”. “Ja ich geh noch rein [du Arschgeige]” meinte ich dann zu dem Klugscheisser aus der Gruppe deutscher Surftouristen, die meinten man bräuchte wohl mindestens eine Flutlichanlage, um zu dem Zeitpunkt noch ins Wasser zu steigen. Zugegebenermassen war ich dann doch ein wenig verunsichert, aber selbst wenn zu diesem Zeitpunkt Stromausfall, Mondfinsternis und Nebel gleichzeitig aufgetreten wären, wäre ich noch gegangen. Zwei anscheinend mit anderen Wassern gewaschene italienische Surfer, die auch noch auf dem selbigem waren, bekräftigten mich dann in meinem Vorhaben. Ok es waren dann am Ende tatsächlich nur 30min, aber die haben sich gelohnt. Da ja so ein free-solo-Trip eher etwas meditatives als etwas geselliges an sich hat – die Italiener lagen nachher knutschend am Strand da wollte ich mich nicht dazugelegen – schlenderte ich nach dem Surfen noch ein wenig im Dunkeln am Strand rum. Guckte mir Angler an, kletterte in Felshöhlen und wäre fast von einem abbrechenden Felsblock erschlagen worden. Alles in allem also bis dahin ein gelungener Abend. Weil mir nicht von vorneherein klar war, dass ich auch in Sagres übernachten würde, hatten meine Proviantvorbereitungen eher zu wünschen übrig gelassen. Auf jeden Fall machte ich es mir dann so gegen 10 mit einer Tüte Chips und der neuen Neon in meinem Bulli gemütlich. Das ging auch eigentlich ganz gut. Stressig wurde das ganze, als ich dann irgendwann versucht habe einzuschlafen. Immer weider kreisten meine Gedanken um Horrorszenarien in denen naive Surfer nachts mit K.O.-Spray im Schlaf betäubt werden und Ihnen der Wagen quasi unterm Arsch weggeklaut wird und sie sich dann morgens in einer Düne wiederfinden. Musik. Die sollte doch irgendwie ablenken können. Mein ipodTM schaffte das… das Problem ist nur dass der keine Sleepfunktion besitzt und als ich gerade eingeschlafen war, wurde ich von der Musik wieder wach. Blöd. Ok also wieder ohne Musik und …wer soll schon kommen, mitten in der Nacht einsam am Strand… Irgendwann bin ich dann doch eingeschlafen aber dann in der restlichen Nacht ungefähr fünf mal wachgeworden, weil zwei neurotische Hunde irgendein Problem miteinander zu haben schienen. Schlafen die auch mal? Oder ist das bei südländischen Hunden so Usus, dass die nur tagsüber mitten auf der Strasse schlafen und Nachts auf jeden Fall ganz nach eigenem Gusto einfach NUR rumstressen. Ich habe dann angefangen mich in so einen kleinen portugisieschen Strassenköter hineinzuversetzen. Was mir aber nicht ganz gelang. Ok zwei drei mal laut bellen, wenn der Hund von der anderen Strassenseite schief rüberschaut, dass wäre ja noch im Rahmen gewesen und vor allem auch nachvollziehbar, aber so ein Radau? Belohnt werden sollte die harte Nacht dann aber doch noch, und zwar mit einem ganz geschmeidigem Morning-Surf – wie der trendige Surfer sagen würde. Außer mir war nur noch ein anderer Surfer auf dem Wasser. Erst dachte ich voller Respekt: “Oh, bestimmt n Local”. Mag sein, daß der Typ ein Local war, aber er hatte seinen Vater mit dabei. Ist ja soweit kein Problem. Im Gegenteil, ist ja schön wenn er sich mit seinem Dad gut versteht, aber nun ja. Ich an seiner Stelle hätte mir den Reissverschluss seines Neoprenanzuges lieber selber zugemacht, und wenn mir dabei der Arm ausgekugelt wäre. Soll einfach nur heißen, dass ich mir da schon mal sicher sein konnte, dass von der Seite her keine “Gefahr” drohte und ich auf den “ich-tu-so-als-wär-ich-n-crack-Modus” schalten konnte. Was dann folgte war vielleicht nicht unbedingt crackmässig aber doch ne ganz solide Vorstellung und vor allem hat es Spass gemacht. Zum Abschluss fuhr ich dann noch zu der mir von Thorsten empfohlenen Tauchbasis. Nachdem ich etwa eine Stunde bis um 11 Uhr auf den Chef gewartet hatte, konnte ich dann erfolgreich einen Trip für morgen buchen. Momentan bin ich mir noch nicht so ganz sicher, ob ich das machen soll. Der Tauchlehrer sah aus als wäre er gerade aus dem Bett gefallen und hätte schon ne halbe Flasche “Ja”-Korn auf. Ok es war 11 Uhr, wahrscheinlich war er gerade aus dem Bett gefallen, aber das mit dem Korn!? Naja nach meiner Nacht im Bulli sah ich vielleicht ähnlich aus. Zusätzlich zudem fehlten Ihm ein paar Zähne und ich fragte mich, ob er die wohl gestern bei einer waschechte Hafenkneipenschlägerei beim Zusammenprall mit einem alten portugiesischen Seebären auf der Strecke hatte lassen müssen, und, ob er so überhaupt noch tauchen könnte. All das schoss mir innerhalb von Sekundenbruchteilen durch den Kopf. Zugegeben diese Gedanken waren natürlich nicht ganz nett. Aber der Gesamteindruck verunsicherte mich doch etwas. Nun ist der ein oder andere fehlende Zahn natürlich überhaupt nichts dramatisches, sicher ist der Mann ein echt netter, fähiger Tauchlehrer. Ob das so ist oder nicht, und ob sich die Theorie, sich nicht auf die Betrachtung von Äusserlichkeiten zu beschränken, bewarheitet, wird sich dann voraussichtlich morgen zeigen. Also: *Helfa weg, Risikö !!! * |
|||
Kommentare
« zurück zur Startseite
« älterer Eintrag neuerer Eintrag »